
Unser Sachroman: Die Brücke nach Morgen
erscheint am: 02.02.2026
Ein Buch, das bewegt.

Ein Blick ins Buch...
Kapitel 1: Bier und Beton – Überleben auf der Straße
Mein Magen knurrt. Es ist ein Geräusch, das ich inzwischen gut kenne – vertraut, beinahe beruhigend, weil es mir bestätigt, dass ich noch lebe. Aber es ist auch gnadenlos. Es erinnert mich daran, dass mir ein weiterer langer Tag bevorsteht, ohne Gewissheit, ob und wann ich überhaupt wieder etwas zu essen bekomme. Wenigstens habe ich diesen Platz hier, unter der S-Bahn-Brücke. Ein Dach über dem Kopf – das ist mehr, als viele andere haben. Ich weiß, dass ich Glück hatte, als ich diesen Platz vor einigen Monaten ergattern konnte – auch wenn es schmerzt, daran zu denken, dass ich ihn nur bekommen habe, weil ein Obdachlosen-Kumpel verstorben ist, der hier gewohnt hat.
Vor mir steht eine halbvolle Dose Bier, abgestanden und schal. Eigentlich hasse ich Bier. Aber es ist das Einzige, was gerade verfügbar ist. Wie sehr ich mich nach einem heißen Becher Kaffee sehne – doch meine letzten 1 Euro 27 reichen nicht einmal dafür. Ich nehme einen Schluck von dem Bier, verziehe das Gesicht, schlucke den bitteren Geschmack hinunter. Er löscht den Durst, nicht die Scham.
Mein altes Handy zeigt den 7. März an. Es ist noch früh, 6 Uhr 15, und es ist noch dunkel. Ich denke an gestern. Der Tag war komplett verregnet und der Himmel so grau wie das Pflaster unter mir. Ich hoffe darauf, dass heute mal Sonnenstrahlen durchkommen und mich etwas aufwärmen. Gestern Abend konnte ich mein Handy heimlich an einer Steckdose im Bahnhof aufladen. Heimlich – wie mittlerweile fast alles in meinem Leben. Seit drei Wintern lebe ich auf Platte. Auf Platte leben – so heißt es, wenn man auf der Straße wohnt. Als wäre das ein echter Ort. Für mich fühlt es sich eher wie ein Zustand an – kein Anfang, kein Ende, nur die ewige Gleichförmigkeit des Überlebens.
Die Stadt erwacht langsam. Autos fahren vorbei, die Lichter spiegeln sich in den Pfützen auf der Straße. Manche sind so schnell, dass es spritzt und ich manchmal ein paar Tropfen abbekomme. Aber das ist den Autofahrern natürlich egal. Sie haben ihre warmen Schlafzimmer – nehme ich an –, und können sich nicht vorstellen, wie es ist, wenn das eigene Bett und das wenige Hab und Gut dadurch nassgespritzt wird, weil ein Auto zu schnell vorbeifährt. Die ersten Menschen eilen an mir vorbei – auf ihrem Weg zur Arbeit. Zumindest nehme ich auch das an. Warum sonst sollten sie freiwillig um diese Uhrzeit bei Regen draußen sein?
Neben mir liegt mein Schlafsack, eine dicke, warme Isomatte darunter. Ohne die Sachen hätte ich diesen Winter nicht überstanden. Er war der kälteste und nasseste Winter, den ich bisher auf der Straße erlebt habe. Ein unbekannter Engel hat sie mir geschenkt. Ich erinnere mich noch gut, wie ich eines Morgens erwachte und sie einfach neben mir lagen. An diesem Tag habe ich zum ersten Mal seit Monaten geweint, weil jemand an mich gedacht hat – und weil ich nicht wusste, wem ich danken sollte.
Ich ziehe meine Jacke enger um mich. Das Leben auf der Straße ist gnadenlos ehrlich: kein Job, keine Wohnung, keine Hygiene, keine Bedeutung. Der kalte Beton unter mir ist Realität, kein Zwischenstopp. Jeder Tag ist gleich, jeder Tag ist schwer. Doch manchmal, in seltenen Momenten, spüre ich ein kleines, flüchtiges Stück Freiheit – etwas, das ich früher, in meinem alten Leben, nie gespürt habe. Eine spannende Parallele sehe ich jedoch zu meinem früheren Leben: eine Monotonie im Alltag – auch wenn diese damals ganz anders aussah als heute. Mein Leben auf der Straße … hätte man mir das vor ein paar Jahren prophezeit, ich hätte die Person ausgelacht. Ich denke einen Augenblick über mein Leben nach …
Fachbeiträge & Gastartikel
Interesse an unserem Autorenprofil oder Medienpaket?
Gerne senden wir Ihnen unser vollständiges
Autorenprofil inkl. Buchinfos & Pressebilder
auf Anfrage zu.
