Weniger Stress = mehr Leistung!

Andreas
18.05.26 08:52 - Kommentar(e)

Stress bei der Arbeit - zu viele Fakten!

Warum handeln die meisten Unternehmen entgegen wissenschaftlichen Erkenntnissen?

  • Wir haben seit Jahren eine steigende Zahl an Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen (+43% von 2014 - 2024 gem. AOK Fehlzeitenreport)
  • Wir haben immer mehr Ausfalltage aufgrund psychischer Störungen (328 Tage / 100 Versicherungsjahre)  
  • 4 von 5 Befragte berichten von einer negativen Veränderung im Stresspegel, 62% sehen steigende Gesundheitsrisiken durch die zunehmende psychische Belastung (DGUV Barometer 2025).
  • Allein die Arbeitsunterbrechungen (!) kosten uns konservativ geschätzt 114 Mrd. € pro Jahr (Starke et al. (2022) Kosten von Arbeitsunterbrechungen für deutsche Unternehmen)
Zusammen mit den Krankheits- und Ausfallkosten, der Entgeldfortzahlung und den gesellschaftlichen Folgekosten kostet uns die zunehmende psychische Belastung und deren Negativ-Folgen über 4'000 € pro sozialversicherungspflichtig beschäftigte Person!
Ja, nicht jede psychische Erkrankung gehört zu einer "sozialversicherungspflichtig beschäftigten Person". Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Kosten am Ende immer uns alle treffen und unser Gesamt-System belasten.

Stress verursacht noch weitere Kosten
Was sich nicht im Detail beziffern lässt, sind die weiterführenden Kosten. Nicht nur die "gesellschaftlichen Folgekosten" weil beispeilsweise nahestehende Verwandte durch die Pflege nicht oder nur weniger zur Arbeit können, sondern vor allem auch die weiterführenden Verluste:
  • Das soziale Engagement, z.B. in Vereinen, der Feuerwehr, der Gemeinde, etc. nimmt stetig ab und wird weniger
  • Ideen, die mangels Zeit und Energie gar nicht gefunden oder verfolgt werden, können nicht bemessen werden
  • Enthusiasmus und Lebensfreude, die am Ende auch Stark mit der Gesundheit zusammenhängen, gehen verloren
  • Erziehung wird immer früher ausgelagert an eine Institution, weil man schnell wieder zur Arbeit muss.

Stress hat dabei viele Facetten, sei es der Druck aus dem persönlichen Umfeld (z.B. familiäre Pflege), die persönliche Belastung (häufig finanzielle Belastung, gesellschaftliche Erwartung, etc.) oder auch die globalen Themen (Krieg, Krisen, etc.) wirken auf uns alle ein.

"Die Jugend ist nicht mehr belastbar"
Dann kommt der Klassiker, dass die jüngeren Generationen nicht mehr so belastbar sind wie früher und zwingend wieder mehr gearbeitet werden muss.
  • Die täglich Nutzungsdauer des Internets hat sich von 17 Minuten (2000) auf über 196 Minuten (2018) gesteigert (Statista, 2025)... leider endet die Statistik schon recht früh. Das ist nicht nur der private Konsum, sondern auch die arbeitsbedingte Nutzung.
  • 2011 haben Mitarbeitende noch 11 E-Mails pro Tag (im Durchschnitt) erhalten. 2025 sind es bereits über 50 Mails am Tag und 14% der Arbeitnehmenden erhalten sogar über 100 Mails am Tag (Bitkom-Studie 2025).
  • Wir erleben 275 Unterbrechungen pro Tag durch Mails, Anrufe, Calls, Chat-Nachrichten, etc. (Microsoft (2025), Work Trend Index). Das sind Unterbrechungen ALLE 2 MINUTEN!

Es ist nicht die junge Generation, die nicht mehr belastbar ist. Es sind die Rahmenbedingungen, die sich in den letzten 20 Jahren in einem so immensen Umfang verändert haben, die Arbeit schlicht nicht mehr möglich machen.

"Die KI und Digitalisierung werden unser Problem endlich lösen"
Schon 1930 postulierte John Maynard Keynes, dass wir im 21 Jahrhundert mit einer 15-Stunden-Woche auskommen werden weil der technische Fortschritt uns das ermöglicht. Der tatsächliche Nutzen der Digitalisierung tritt aber immer erst Jahre und Jahrzehnte später in Kraft, sodass wir dem Produktivitäts-Paradoxon noch weiter hinterher rennen werden. Vor allem, da die technischen Entwicklungen immer schneller werden, ist das "hinterher kommen" noch sehr viel anstrengender, Kräfte- und Zeit raubender als zuvor.
Aktuell liefern 95% der KI-Projekte in Unternehmen einen negativen ROI (MIT (2025): The GenAI divite state of AI in Business) - bis wir hier eine tatsächlich positive Entwicklung erleben, wird noch einige Zeit vergehen. Mit folgender Krux: Am Ende des Tages wird von der Entwicklung der KI vermutlich nicht der "normale Arbeitnehmer" profitieren. Denn welches Unternehmen bezahlt seinen Mitarbeitenden aufgrund der gestiegenen Gewinn-Maximierung mehr Lohn für weniger Arbeitszeit? Es ist auch hier von einer zunehmenden Belastung des Einzelnen auszugehen, statt zu einer tatsächlichen Enlastung der Gesellschaft.

"Mehr Stunden = Mehr Leistung"
Der nächste Mythos, dass mehr Arbeitszeit auch zu mehr Ergebnis führt. Auch hier gibt es zahlreiche Studien, die beispielsweise aufzeigen, dass der Mensch nur 3-5 Stunden "produktiv" tätig sein kann (im Bereich der Wissensarbeit) und nach 8 h im Bereich der Produktion / Handwerk / etc. der Output signifikant abnimmt und teilweise sogar durch Fehler zu mehr Aufwand (Reklamation, Nachbearbeitung, etc.) bzw. zu einem Risiko (Arbeitsunfälle, etc.) führen. 
Da ich für den Artikel hier keine KI einsetze bin ich ab hier übrigens zu Faul, alle weiteren Studien zu nennen...
Die aktuellen Studien zur 4-Tage-Woche zeigen ein nahezu vollständig positives Ergebnis in Bezug auf die Entwicklung, Leistungsfähigkeit und Kreativität der Mitarbeitenden. Schon Henry Ford erkannte in den 1920er Jahren, dass die höhere Arbeitszeit nicht automatisch zu einer höheren Produktivität führt und reduzierte die Arbeitszeit in seinen Werken auf die heute noch bekannte 40h-Woche - mit positivem Ergebnis!

Was uns wirklich weiterbringt
Es braucht nicht noch mehr Resilienz-Trainings und Zeitmanagement-Kurse. Die "junge Generation" muss auch nicht "endlich mal den Arsch hoch kriegen" - wir müssen Arbeit wieder wirkungsvoll und Menschen-Gerecht gestalten.
  • Keine Vielzahl an Meetings, die nur der reinen Information und Selbst-Beweihräucherung dienen
  • Fokus auf das tatsächlich wichtige und notwendige
  • Unterbrechungsfreie Zeit - dann, wenn sie auch kognitiv Sinn macht (bei den Meisten von 9 - 11 und 13 - 15 Uhr, aber nicht bei Allen!)
  • Reduktion der Kommunikations-Kanäle auf ein Minimum, sowohl intern als auch im Kontakt mit KundInnen und Dienstleistenden
  • keine starren Konstrukte, sondern mehr Flexibilität und Freiheit im eigenen Verantwortungsbereich ermöglichen
  • Systeme, die Arbeit strukturieren und sortieren (Aufgabenmanagement-System) und nicht einfach auf Zuruf und per Mail alles auf dringend und wichtig setzen
  • ... und vieles mehr!

Wenn du endlich die Stuktur finden willst, die dein Unternehmen oder Team benötigen, um fokussiert und zielgerichtet arbeiten zu können, dann lass uns sprechen und wir schauen, wo dein nächster Handlungsschritt besteht!

Andreas